Was ist eine Prophezeiung?


Eine Prophezeihung ist eine besonders inspirierte Aussage über vergangene oder gegenwärtige Zustände, oder auch eine Vorhersage über die Zukunft (auch im Sinne einer Anweisung, wie diese vorzugsweise zu gestalten sei). Typischerweise, aber nicht notwendigerweise, wird sie von einem Propheten gemacht (von Griechisch pro- “vor(wärts)” und phánai “sagen, behaupten”), jemandem mit tiefen moralischen Einsichten und außergewöhnlichen Ausdrucksfähigkeiten — etwas, worum sich jeder bemühen sollte, anstatt es selbsterwählten Eliten zu überlassen.  

Es ist also keineswegs ein Privileg göttlicher Gnaden, geschweige denn eine Verkündigung angeblich göttlichen Willens, wie dies die judäo-christo-islamische Tradition vorsieht, wo ein Prophet eine “erhöhte” (Gemeinsemitisch nb””, vgl. auch Mittelägyptisch nb “Herr”) Persönlichkeit ist. Interessanterweise ist dieser Traditionsstrang als aus der Levante stammend zu identifizieren, findet sich in Mesopotamien ursprünglich nicht, wo es zwar Ekstatiker (Akkadisch mahhum) und Beantworter (Akkadisch a·pil(t)um) gab, die aber selbst in Drohsprüchen nie ethische Forderungen stellten. Nach 750 v.u.Z. hingegen tauchen in Assyrien sog. Rufer (Akkadisch raggimu) auf, von denen einer bezeichnenderweise den Namen Nahum aus Juda trägt…

Eng verwandt hingegen ist die Idee des Orakels als Quelle weisen Rates (Latein ôrâculum, zu ôrâre “sprechen”, entsprechend Griechisch khre·smosýne· “Wahrsagekunst, Verlangen, Wunsch” und manteía “Sehergabe, Weissagung, Orakelspruch, Orakelstätte”).

Eine Prognose schließlich (Griechisch prógno·sis) ist ein “Vorherwissen” — was aber ein Vorwissen voraussetzt.

(1999)