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Zooschlachttiere

Freitag, 25. Februar 2011

Vor einigen Tagen lief im Westdeutschen Rundfunk ein Beitrag über Zootiere: "Geboren, um zu sterben. Vom Umgang mit Zootieren". Leider decken sich etliche Aussagen der Sendung mit eigenen Erfahrungen.

Ich war in den 90er Jahren Tierpatin einer Schnee-Eule im Kölner Zoo. Wir hatten Dauerkarten und waren daher sehr oft bei unserem Vogel – bis er eines Tages spurlos verschwunden war. Nicht nur die Schnee-Eulen, alle Eulenvögel waren entfernt worden. Stattdessen eine Baustelle: Erweiterung des Urwaldhauses. Meine offizielle Anfrage beim Kölner Zoo, wo denn mein Patenvogel geblieben sei, wurde pampig mit dem Hinweis abgeschmettert, ich hätte ja eigentlich nicht einem Einzeltier, sondern eine allgemeine Zoospende gezahlt.

Der Zoo hatte früher in einem kleineren Gehege hinter Glas einen australischen Beutelteufel, es lag zwischen Tiger- und Löwengehege. Auch hier die gleiche Erfahrung: Eines Tages war der Beutelteufel verschwunden. Ich fragte einen Tierpfleger, der grinste mich an und meinte, der werde jetzt hinter den Kulissen gehalten.

Auch im Wuppertaler Zoo, den ich seiner Katzen wegen sehr oft besucht habe, verschwanden ständig Tiere. Ende der 80er Jahre hatten sie einen Karakal, ein Jahr später war das Gehege leer. Eisbären, die im Spätherbst noch munter im vorderen Gehege herumlagen, waren im Spätwinter nirgends zu sehen – und sie blieben weg.

Als ich nach jahrzehntelanger Abstinenz 1987 oder 88 das erste Mal wieder im Zoo war, mit einer Gruppe ausländischer Studenten übrigens, kam ich mir vor wie in einer Freiluftkathedrale. Es lag etwas Feierliches, in sich Ruhendes an diesem Vormittag in dem ganzen Areal.

Je öfter ich jedoch Zoos besuchte, desto mehr verschwand diese Wahrnehmung. Stattdessen waren unaufhörlich lärmende Schulkinder, laut lachende Seniorinnengruppen, ganze Hundertschaften von Familien mit Kindern zu sehen und vor allem zu hören, daß selbst laut rufende Gibbons nicht mehr wahrzunehmen waren. Die Feierlichkeit war dahin, es glich mehr dem Jahrmarkt als dem Gefängnis zahlreicher Lebewesen, die eigentlich lieber woanders leben würden.

An die Mär mit der Arche Noah Zoo glaube ich schon lange nicht mehr. Die nichtmenschlichen Lebewesen sind völlig den Menschen ausgeliefert, die angeblich für sie sorgen: für ihre Mahlzeiten und letztlich auch für ihren Tod. Zu sehen bei Hochwasser (u.a. Zoo Prag) oder Bränden (zuletzt im Zoo Karlsruhe): wenn keine rettende Hand zur Stelle ist, müssen sie sterben.

Die Zoos sind wie die meisten gesellschaftlichen Großorganisationen: Sie reproduzieren sich ständig selbst, um einer großen Zahl Menschen Arbeitsplätze zu verschaffen und diese zu erhalten, vom Tierpfleger bis hin zum Direktor. Die Tiere sind die Opfer. Oder gar das "Material".

Während in der "freien Wildbahn" auch Tiere gewildert werden, die auf der Roten Liste stehen, werden Tiere derselben Art in den Zoos geschlachtet (Sibirische Tiger z.B.). Und vorher kommt ein besinnungs- und ahnungsloses Publikum, das mit seinen Eintrittsgeldern die Einrichtungen am Leben erhält. Das ist, als ob Kälber in der Massentierhaltung tausendfachen Besuch erhielten, bevor sie in den Schlachthäusern und als Wiener Schnitzel auf den Tellern ihrer vormaligen Bewunderer landeten.

Anna Bödeker